Weder Unfallfolge noch Krankheit - Unfallopfer zwischen Stuhl und Bank

Weder Unfallfolge noch Krankheit - Unfallopfer zwischen Stuhl und Bank

Wer an den Folgen einer HWS-Distorsion (sog. Schleudertrauma) leidet, gerät bei den Versicherern leicht zwischen Stuhl und Bank. Nach einem Auffahrunfall bezahlte die SUVA dem Verletzten die Kosten für Heilbehandlung und richtete vorübergehend Taggelder aus. Als der Heilfortschritt stagniert, prüft die Suva den Fallabschluss und stellt die Leistungen ein, weil der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden fehle. Das entspricht in den meisten Fällen der Gerichtspraxis und ist hinzunehmen. Der Mann meldete den Fall seiner Krankentaggeldversicherung an. Doch diese lehnte ihre Leistungspflicht ebenfalls ab. Ihr Argument: Die gesundheitlichen Beschwerden und die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit seien unfallbedingt. Die Bedingungen der Krankentaggeldversicherung nach Versicherungsvertragsgesetz VVG würden aber unfallbedingte Beeinträchtigungen nicht entschädigen. Krankentaggeld sei nur „bei Krankheit“ geschuldet. Als Krankheit definiert das Kleingedruckte des Versicherers „jede Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsfunfähigkeit zur Folge hat.“

Das Zürcher Sozialversicherungsgericht stellt in einem Urteil vom 19. Oktober 2012 klar, dass der Begriff Krankheit auch gesundheitliche Beschwerden einschliesst, die in einem natürlichen Kausalzusammenhang zu einem Unfall stehen, also Unfallfolge sind, und vom Unfallversicherer lediglich wegen fehlender Adäquanz nicht entschädigt werden. Sonst würde eine Kategorie von Beschwerdebildern geschaffen, die weder Leistungen vom Unfallversicherer noch vom Krankentaggeldversicherer nach VVGbeanspruchen können. Ein so weitgehender Leistungsausschluss sei nach Artikel 33 VVG nur zulässig, wenn der in klarer und unzweideutiger Form in der Police und im Kleingedruckten festgehalten sei. Das war aber nicht der Fall. Das Gericht lehnte die Klage aber trotzdem ab, weil eine Arbeitsunfähigkeit nicht wahrscheinlich erscheine und der Taggeldanspruch nicht ausgewiesen sei.

Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Urteil vom 19. Oktober 2012, KK.2010.00021

 

Das Urteil kann unter folgendem Link abgerufen werden (Prozessnummer eingeben)