Ungenügendes MEDAS-Gutachten

Das Bundesgericht hat ein bemerkenswertes Urteil zum Beweiswert von MEDAS-Gutachten gefällt. Es ging um einen episch langen Streit um die Ausrichtung einer IV-Rente. Im zweiten Prozess ordnete das kantonale Versicherungsgericht die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens an. Gestützt auf diese Expertise verneinte die IV weiterhin den Rentenanspruch. Das Sozialversicherungsgericht wies die Beschwerde ab, das Bundesgericht hiess sie dagegen gut. Der MEDAS-Psychiater habe zu kurz untersucht, sich mit den anderslautenden Einschätzungen früherer Gutachter zu wenig auseinander gesetzt und spekulative Überlegungen gemacht, die nicht ins Gutachten gehörten.

Das Bundesgericht berücksichtigte angesichts der Schwächen des Gutachtens der MEDAS auch die Ausführungen des Parteigutachters zur Bedeutung der Untersuchungsdauer. Der Parteigutachter hatte festgehalten, auch eine schwer depressive Person könne einem kürzeren Gespräch aufmerksam folgen. Mitunter zeige sich erst bei längerer Besprechung eine erhöhte Ermüdbarkeit sowie Verminderung von Konzentration und Aufmerksamkeit. Der MEDAS-Psychiater habe die Dauer der Untersuchung nicht vermerkt. Ohne diese Angabe könne nicht beurteilt werden, ob die Feststellung, Ausdauer, Konzentration und Aufmerksamkeit seien nicht beeinträchtigt, zuverlässig oder eher spekulativer Natur sei. Das Bundesgericht wies die Sache an das kantonale Gericht zurück, zur Einholung eines interdisziplinären gerichtlichen Obergutachtens. Dies zur umfassenden, auch die somatische Seite einbeziehenden, Klärung der vorhandenen Gesundheitsschädigungen, ihrer Wechselwirkungen (Komorbiditäten) und der gesamthaft resultierenden funktionellen Folgen in Beruf und Haushalt. Die Kosten des Privatgutachtens im Betrag von CHF 5‘390 muss die IV dem Versicherten bezahlen, weil die Expertise für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich war. Das Privatgutachten hat massgeblich dazu beigetragen, dass die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurück gewiesen wird.

Bundesgerichtsentscheid 9C_49/2014, Urteil vom 29. Oktober 2014

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