Tetraplegiker für Wagnis bestraft

Unfallversicherung kürzt Leistung um die Hälfte

Die Metzger-Versicherung strich einem 20jährigen Versicherten, der sich bei einem Freizeitunfall eine Tetraplegie zugezogen hatte, die Hälfte der Leistungen, weil er ein Wagnis begangen habe. Der junge Mann war nach dem Konsum von Alkohol und Drogen von einem 4 Meter über dem Wasser befindlichen Ast kopfüber in den Rhein gesprungen. Das Wasser war aber nur 80 Zentimeter tief, was er allerdings nicht sehen konnte. Die obligatorische Unfallversicherung des Metzgers kürzte sämtliche Geldleistungen um 50%, weil er ein Wagnis eingegangen sei.

Das Zürcher Sozialversicherungsgericht entschied, eine Kürzung sei nicht zulässig, da der Mann kein Wagnis begangen habe. Das Bundesgericht gibt der Versicherung recht. Bei einem Kopfsprung aus vier Metern in unbekannt tiefes Wasser könne die Gefahr nicht auf ein vernünftiges Mass reduziert werden. Wer trotzdem springe, begehe ein absolutes Wagnis. Bei einem gewollten Fall aus vier Metern Höhe in einen Fluss wäre es unabdingbar gewesen, sich der genügenden Flusstiefe vorher zu vergewissern. Nicht vorausgesetzt sei, dass sich der Versicherte willentlich einer Gefahr aussetze. Auch wenn er sich keine Gedanken über die Wassertiefe mache, begehe er ein Wagnis. Das kantonale Versicherungsgericht hatte argumentiert, wenn man einer Gefahr trotzen wolle, müsse man sich dieser bewusst sein. Dies hatte auch ein Rechtsgutachten festgehalten, das der Verunfallte eingereicht hatte. Das Bundesgericht ist damit strenger als es der Gesetzeswortlaut verlangt und es verschärft seine frühere Praxis. Noch im Urteil 8C_274/2012 vom 4. Dezember 2012 hatte es entschieden, die versicherte Person müsse sich wissentlich einer besonders grossen Gefahr aussetzen, damit eine Handlung als Wagnis zu qualifizieren sei.

Das Urteil (publizierter Auszug:BGE 138 V 522, ganzes Urteil:8C_274/2012)im Volltext finden Sie hier.