Schmerzrechtsprechung: auch negative persönliche Ressourcen fallen ins Gewicht

Das Bundesgericht äusserte sich zu den Anforderungen an eine ergebnisoffene und einzelfallgerechte Beurteilung der Leistungsfähigkeit einer Versicherten. Eine Berücksichtigung von lediglich positiven Ressourcen einer versicherten Person, wie intellektuelle Ressourcen und Leistungsorientiertheit, ist unzulässig. Das Bundesgericht verlangt, dass auch belastende Faktoren in die Beurteilung einbezogen werden müssen.

Es ging um den IV-Rentenanspruch einer Versicherten, die an einer depressiven Störung und an einer somatoformen Schmerzstörung leidet. Bei der Prüfung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit habe die Vorinstanz zu Unrecht das Krankheitsbild nicht als Gesamtheit gewürdigt. Sich daraus ergebende Wechselwirkungen seien nicht berücksichtigt worden. Damit seien allfällige negative Folgen der Depression bei der Beurteilung unbeachtet geblieben. Auch weitere belastende Faktoren, die in der Persönlichkeit der Versicherten liegen, liess die Vorinstanz ausser Acht.

Die Leistungsverweigerung sei somit zu Unrecht erfolgt. Die Vorinstanz wird angewiesen, den Anspruch nach Einholung eines Gerichtsgutachtens im Sinne der Erwägungen ergebnisoffen zu prüfen.

BGer 9C_596/2016